Eines der 48 Sternbilder, beschrieben vom griechischen Astronomen Ptolemäus, war das Sternbild »Fuhrmann«, eine auffällige, sternenstarke Konstellation des Nordhimmels. Im mitteleuropäischen Winter können Kopf, Schulter und die »Ziege« auf dem Rücken des »Hirten« teilweise zirkumpolar beobachtet werden. »Rukubi« (Sternbildname zu babylonischen Zeiten) sitzt direkt auf dem Band der Milchstraße mit deren Objektfülle. Das macht neben den Hauptsternen auch den Raum zwischen den Koordinaten des »Fuhrmanns« zum begehrten Beobachtungsterrain für Deep Sky »Jäger«.
Historische Namen und mythologische Verkörperungen des »Fuhrmanns«
Das zuverlässigste »GPS« der Antike ließ während langer Reisen Raum für fantastische Vorstellungen. So mag auch das Sternbild »Fuhrmann« am Nordhimmel zu seinen Namen in verschiedenen Kulturkreisen gekommen sein. Die Lateiner kannten unter diesen Koordinaten »Auriga«, den Steuermann, während die Römer ihren Erfinder des Vierspänners, König Erichthonios, dort vor der Milchstraße sitzen sahen. Künstlerisch wurde eine noch ältere Darstellung des »Fuhrmanns« als Hirte mit einem Zicklein über seinen Schultern in der »Uranometria« und anderen Himmelsatlanten wieder aufgegriffen.
Mythologisch ist das Sternbild »Fuhrmann« eng mit der griechischen Göttergeschichte verbunden. So soll das später gedeutete Zicklein die heimliche Amme des Zeus (eigentlich die Nymphe Amalthea) sein. Sie wurde für ihren Dienst am Nordhimmel auf den Schultern des »Hirten« verewigt. Wer die Koordinaten nach den auffälligen Sternen absucht, findet etwas niedriger auf der Ekliptik solch berühmte Nachbarn wie den »Stier« oder die »Zwillinge«. Ähnlich markant leuchtet der Sternbildnachbar »Perseus« im Herbst und Winter direkt auf dem Spiralarm der Milchstraße.
»Fuhrmann« - Heimat von Meteorströmen und zahlreichen Doppelsternen
Gleich neun Sterne des Sternbilds »Fuhrmann« leuchten heller als 4 mag am Nordhimmel. Fast alle hellen Hauptsterne entpuppten sich bisher als Doppelsterne – entweder direkt visuell trennbar oder durch Langzeitbeobachtung der Koordinaten durch Bedeckungsveränderungen »ertappt«. Wem die Objektfülle zwischen den Sternpositionen vor der Milchstraße zu unübersichtlich ist, betrachtet viele der Koordinatensterne erfolgreich als Doppelsterne mit kleinen Teleskopen, die meisten schon ganz gut ab einer Öffnung von 8 cm auflösen.
Zweimal im Jahr lässt das Sternbild »Fuhrmann« Sternschnuppen in unsere Erdatmosphäre »regnen«. Von diesem Radianten am Nordhimmel besuchen uns immer Ende August/Anfang September die Alpha-Aurigiden, Mitte Oktober die Delta-Aurigiden. Der Oktoberstrom aus diesen Koordinaten wurde lange Zeit den September-Perseiden zugerechnet. Doch jüngere Untersuchungen deckten die eigenständige Herkunft aus diesem Teil der Milchstraße auf.