Am mitteleuropäischen Sommerhimmel ist die Beobachtung von Deep Sky Objekten in klaren Nächten eindrucksvoll und bis in die Bereiche der Ekliptik bereits mit dem Fernglas ein astronomisches Erlebnis. Ein imposantes Sternbild unter diesen Beobachtungszielen ist – auch für weniger erfahrene Himmelsbeobachter – das Sternbild »Schlange«. So viele Sterne verbinden es, dass jeder Schlangenteil wiederum einen eigenen Namen trägt.
Symbol des Äskulapstabes – Sternbild »Schlange« in der Antike
Besonders ergiebig ist die Suche nach Deep Sky Objekten im Sternbild »Schlange« unter anderem, weil das Himmelssymbol aus zwei Teilen besteht. Der »Kopf der Schlange« (Serpens Caput) windet sich westlich zum »Schlangenträger« (Ophiuchus), während östlich der »Schwanz der Schlange« (Serpens Cauda) weiter schlängelt. Glauben wir den griechischen Mythen, so erweckte Polyeidos, ein Seher, den erstickten Jungen Glaukos (Sohn des Minos) wieder zum Leben, nachdem er beobachtete, wie eine Schlange die andere mit Kräutern wieder belebte. Nach einer anderen Version war es der Gott der Heilkunst selbst, Asklepios (lateinisch: Äskulap), der das Kind wunderheilte. Schlange und Stab blieben bis heute das Symbol der Heilkunst.
Jeder Teil des Sternbildes, abgesehen von den spektakulären Deep Sky Objekten, ist eine genaue Betrachtung wert. Den Hauptstern des Sternbildes »Schlange«, Alpha Serpentis, nannten die Araber »Unuk« von »Unuk al Hay« (Hals der Schlange). Das Dreifach-Sternsystem leuchtet in 73 Lichtjahren Entfernung mit der 35fachen Leuchtkraft unserer eigenen Sonne. Der hellste der 3 aneinander gebundenen Sterne leuchtet sogar 70 Mal heller. Weitere bemerkenswerte Mehrfachsternsysteme des Sternbildes sind der Doppelstern Theta Serpentis, das Dreifachsystem Beta Serpentis sowie das Vierfachsternsystem (zwei wechselwirkende Doppelsternsysteme) Delta Serpentis.
Die frühesten Messier-Entdeckungen im Sternbild »Schlange«
In seiner Systematik bei der Kometenjagd ging der französische Astronom und Katalogbegründer Charles Messier ebenso wie heutige Beobachter nach Sternbildposition auf die gezielte Suche nach Deep Sky Objekten. Schon das fünfte gefundene neblige Objekt im Sternbild »Schlange« zeigte die Struktur einer Sternenansammlung. Entdeckt hatten den Kugelsternhaufen M5 (NGC 5904) Gottfried und Maria Kirch ganze 62 Jahre früher. Erst 1764 katalogisierte Charles Messier die Beobachtung in seinem später 110-teiligen Katalog.