Enorme Kräfte wirken auf Kometen ein, während sie auf meist stark exzentrischen Bahnen durch unser Sonnensystem ziehen. Langperiodische Exemplare umrunden die Sonne mehrmals in einigen Millionen Jahren, ohne auszubrennen. Kurzperiodische Kometen dagegen umlaufen meist nur einige tausend Jahre lang ihre Bahn um die Sonne annähernd gleich. Danach überstehen die Reste den Periheldurchgang (Passage des sonnennächsten Punktes) nicht mehr, oder die äußeren Planeten lenken ihre Bahnen in noch kürzere Umläufe. Ein gut erforschtes Beispiel ist Wild 2 (auch: 81P/Wild).
Kurzperiodischer Komet 81P / Wild (Wild 2)
Der Komet 81P/Wild wurde 1978 vom Schweizer Astronomen Paul Wild entdeckt. 26 Jahre später gelang es, den »Passanten« mit einer Raumsonde genauer zu erforschen. Gerade in der Astronomie sollten die Forscher Überraschungen gewohnt sein. Dennoch entstanden auch im Falle des kurzperiodischen Kometen 81P/Wild anhand der Ergebnisse mehr neue Fragen als erwartete Antworten. Zuletzt war er der Erde am 23.03.2010 mit 103 Millionen Kilometern am nächsten. Dennoch beschrieben Amateurastronomen seine Beobachtung als schwierig, weil sein Schweif nicht besonders spektakulär leuchtete und auch die Koma lichtschwach blieb.
Das Alter des Kometen schätzen die Astronomen auf 4,5 Milliarden Jahre, seine einstige Umlaufbahn auf mindestens einige Jahrzehnte, vielleicht ursprünglich sogar noch weiter und weniger exzentrisch. Bei seiner Sonnenannäherung 1974 erlitt er das Schicksal vieler kurzperiodischer »Touristen«: Er kam dem Gasriesen Jupiter mit einer Passage unter einer Million Kilometern zu nahe. Dessen gewaltige gravitative Kräfte zogen 81P/Wild förmlich von seinem 43 Jahre langen Umlauf auf eine engere Bahn von nun knappen 6 ½ Jahren.
Erforschung des Kometen
»Stardust«, die amerikanische Raumsonde mit Kurs zum Kometen, sammelte 2004 nach fünfjähriger Flugzeit Staubpartikel aus der Koma in einem Kanister. Tatsächlich gelang es, diesen am 15.01.2006 in einem Wüstengebiet in Utah wohlbehalten zu bergen. In den Proben fand sich nur geringfügig kohlenstoffhaltiges Material aus dem kurzperiodischen Kometen, stattdessen wurden hohe Anteile an Gehlenit und Pentlandit sowie zahlreiche weitere Mineralien nachgewiesen. Bei der genaueren Ansicht der Partikel aus 81P/Wild zeigte sich, dass die Teilchengröße vorherige Mutmaßungen um das Fünfzigfache übertraf. Auch entstanden die Partikel nicht bei den eher üblichen 30 Kelvin, sondern bei mindestens 1.500 Kelvin. Damit werden bisherige Theorien über die Entstehung von Kometenkernen über den Haufen geworfen. Auswirkungen haben die neuen Überlegungen praktisch auf unsere gesamte Vorstellung von der Entstehung des Sonnensystems.