Die uns bekannten Positionen und Bewegungen der Planeten des Sonnensystems entsprechen unserem modernen »heliozentrischen Weltbild«. Aufzeichnungen aus der Antike beweisen, dass es auch damals Wissenschaftler gab, die nicht an die Erde als Mittelpunkt des Universums glaubten. Bereits die alten Griechen registrierten nämlich die Besonderheiten in der Bewegung des Merkur und wussten von seinem Sonnenumlauf.
Erforschung des sonnennahen Gesteinsplaneten Merkur
Schon die Sumerer beobachteten 3000 Jahre vor Christus den »Winzling«. 1639 machte die Planetenforschung einen gewaltigen Sprung nach vorn. Teleskope ermöglichten nun genauere Ansichten von den Planeten des Sonnensystems. Der italienische Astronom Zupi entdeckte die Phasen des Merkur (ähnlich den Mondphasen) und wies damit nach, dass dieser um die Sonne kreist. Die alten Griechen hatten dies vermutet, doch ohne die richtige Technik nicht beweisen können.
Der deutsche Astronom Schröter zeichnete zu Beginn des 19. Jahrhunderts eher skizzenartige Karten von diesem Planeten des Sonnensystems. 1881, 1934 und 1972 entstanden unter Schiaparelli, Lowell, Antoniadi und Dollfus genauere Planetenkarten. Allen Verzeichnissen ist eines gemeinsam: Merkur erhielt einen Nullmeridian sowie Längen- und Breitengrade als Koordinatensystem, wie wir es von der Erde kennen.
Merkur wenig »gastfreundlich«
Wegen seiner Sonnennähe eignen sich nur wenige Forschungsbemühungen zur genaueren Untersuchung dieses sonnennächsten Planeten des Sonnensystems. Moderne Technik übersteht nicht die hohen Temperaturen, die intensive Sonnenstrahlung oder gar Teilchen des Sonnenwindes in der Umgebung von Merkur. Außerdem verhindert der Bahndrehimpuls einer möglichen Merkursonde eine Bewegung auf die Sonne zu, weshalb der Planetenanflug nur über eine umständliche »Hohmannbahn« erfolgen kann.
Die erste erfolgreiche Nahbetrachtung startete die NASA-Sonde Mariner 10 per »Swing-by-Manöver« über einen Venusanflug. Ein Irrtum in den technischen Vorberechnungen bescherte den Wissenschaftlern hierbei gleich drei tatsächliche statt eine vorgesehene Begegnung mit dem innersten Planeten des Sonnensystems. Mariner 10 lieferte 1974 und 1975 Bilder von zwei sehr nahen und einem weiter entfernten Vorbeiflug, was herkömmliche sowie Infrarot- und UV-Licht-Untersuchungen des Merkur ermöglichte. Dabei wurde ein flüssiger Planetenkern entdeckt. Für solch kleine Himmelskörper gilt dies bisher als wissenschaftlich ungewöhnlich.
10 Jahre später startete die zweite NASA Raumsonde, Messenger, um über diesen Planeten des Sonnensystems bessere Studiendaten zu liefern. 2008 flog sie in einigem Abstand vorbei und lieferte über 1.000 Bilder des heißen »Winzlings« sowie weitere Planetendaten. Erst im März 2011 kam die Sonde ihrem Ziel nahe genug und schwenkte in die vorgesehene Umlaufbahn um Merkur ein. Das Ende der Mission ist für März 2012 vorgesehen und bedeutet gleichzeitig das Ende der Raumsonde. Nach Abschluss der Aufzeichnungen soll sie auf den Planeten nieder stürzen.