Noch immer sind der Kuiper-Gürtel, die äußeren Planeten des Sonnensystems und der genaue Charakter der Oortschen Wolke rätselhafte und wenig erforschte Gebiete. Ihre Entfernung von der Erde ist einfach zu groß, um »auf die Schnelle« vorbeizufliegen oder gar einen langfristigen Orbit einzunehmen. Die Planetenforschung der äußeren Zwergplaneten, großer Asteroiden und möglicherweise Kometen am Ursprungsort muss daher vorläufig weiter mit erdgebundenen Mitteln fortgeführt werden. Deshalb sind auch bisherige Erkenntnisse über den Zwergplaneten Pluto zu großen Teilen derzeit spekulativ.
Entdeckungssensation Transneptun
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte die Teleskopforschung der Planeten des Sonnensystems nicht länger in diskreten Fachkreisen von Astronomen, Physikern und »Himmelsphilosophen«. Die weltweit aufstrebenden Medien wollten ebenso ihr Häppchen Sensation von der Planetenforschung verbreiten, schon damals möglichst als erste. So geschah es, dass der kleine Pluto lange vor seiner Entdeckung für Hypothesen und Mutmaßungen sorgte und eine Zeitlang mehr über ihn geschrieben und gerätselt als an ihm entdeckt und nachgewiesen wurde.
25 Jahre lang hatte das Lowell-Observatorium (Arizona) den Himmel nach einem vermuteten neunten Planeten des Sonnensystems abgesucht. Dann endlich enthüllten Himmelsaufnahmen ein entsprechendes Objekt, jedoch nicht an der vorhergesagten Stelle. Die Öffentlichkeit erfuhr vom Ergebnis der Planetenforschung exakt am 149. Entdeckungstag des Planeten Uranus. Seinen Namen »Pluto« erhielt er aus einer Flut von Namensvorschlägen. Eine Elfjährige aus Oxford hatte den richtigen mythologischen »Riecher« und empfahl, das Objekt in der Finsternis ebenso düster nach dem gleichnamigen Gott der Unterwelt zu benennen.
Die Frage nach Größe und Charakter Plutos
Kurz nach seiner Entdeckung schätzte man aus angenommener Albedo und scheinbarer Helligkeit den kleinen Planeten des Sonnensystems auf Erdgröße ein. Nach einigen wissenschaftlichen Minuskorrekturen witzelten die Medien, weitere Planetenforschung könnte am Ende den offensichtlich schrumpfenden Zwergplaneten ganz verschwinden lassen. Erst weitere Vergleiche der Himmelsaufnahmen von Pluto und die Entdeckung von Charon, des großen Plutomondes, erlaubten Ende der 1970er Jahre die heute gültige Größenangabe für den Sonnenbegleiter.
Der geplante Flug zum fernen Planeten des Sonnensystems verschlang Unsummen an Forschungsgeldern. Nach einigem Tauziehen war es 2001 dennoch möglich, die Raumsonde »New Horizons« zum Zwecke der Planetenforschung auf die knapp zehnjährige Reise zum einzigen bisher bekannten Zwergplaneten-Doppelystem unseres Sonnensystems (Pluto mit Charon) zu schicken. Falls die Reise gelingt, erhalten wir erste Forschungsberichte aus nächster Nähe (geplante 9.600 Kilometer Planetenabstand) frühestens im Sommer 2015.