Der letzte Arbeitsschritt des Spiegelschleifens ist mehr Kontrolle als Handwerk. Beim Parabolisieren werden nicht mehr Pits entfernt oder Ränder korrigiert, sondern die letzten Tausendstel Millimeter der Spiegelsphäre auf den Spiegel gearbeitet. Ein einziger falscher Handgriff bedeutet in diesem Stadium den Unterschied dazwischen, ob man ein Himmelsobjekt deutlich, verschwommen oder mit dutzenden Abbildungsfehlern betrachtet. Mit dem Focaulttest erreichen auch unerfahrene Teleskopbauer das gewünschte präzise Ergebnis.
Tester selbst herstellen
Es lohnt bereits vor Beginn des Spiegelschleifens, einen Focaulttester selbst herzustellen. Ein simples Modell fixiert beispielsweise eine 6V-Glühbirne (eigentlich für Fahrräder) auf ein paar Brettern. Luxuriösere Eigenbauten führen Lampe und »Lichtschneider« auf einem Schlitten hin und her. Ein Plastik- oder anderer Messschieber »schneidet« später den Lichtstrahl an der entscheidenden Stelle für eine hohe Präzision des Messergebnisses. Wie aufwändig oder einfach der Tester werden soll, kann der Eigenbauer auch noch vor dem Parabolisieren entscheiden. Der Aufbau dauert günstigstenfalls einige Minuten, schlimmstenfalls einen Nachmittag oder Abend. Erfahrungsberichte von Einsteigern und Fortgeschrittenen zeigen sehr kreative Variationen, deren gemeinsames Ziel jeweils der perfekte, präzise bewegliche Lichttest war.
Eine Lichtquelle wird beim Focaulttest zwischen und nach den Schritten des Spiegelschleifens möglichst stufenlos, in Bruchteilen von Millimetern, bewegt und präzise über bestimmte Stellen der Spiegelfläche geführt sowie die Stärke des Strahls für noch genauere Messungen »geschnitten«. Geeignet ist der Test für Spiegel kürzerer Brennweiten. Kürzeste Brennweiten oder sehr große Spiegel erfordern andere, mindestens zusätzliche Hilfsmessungen nach anderen Prinzipien. In der Regel und vor allem für Einsteiger ist spätestens beim Parabolisieren dieses Messverfahren sehr exakt, leicht verständlich und praktisch an jedem Ort (je nach Testerkonstruktion) durchführbar.
Simple Erklärung des Focaulttests
Das oben beschriebene Brett ist zum Prüfen während des Spiegelschleifens der »Himmel«, an dem die Lichtquelle (hier die Glühbirne) befestigt ist. Mit Hilfe einer lichtundurchlässigen Folie dringt durch ein dünnes Loch in dieser Abdeckung nur ein hauchdünner »Sternenstrahl«. Die doppelte Spiegelbrennweite ist der Krümmungsmittelpunkt. Alles Licht, das auf der sphärischen Spiegelfläche auftrifft, muss sich beim Test am Abbildungspunkt exakt treffen. Das bedeutet in der Praxis, eine perfekte Sphäre lässt beim »Schneiden« des Strahls durch den vorbereiteten Plastik- oder Messschieber oder eine Klinge keinerlei Licht bis zum Auge durchdringen. Dunkelt die Optik nicht gleichzeitig und vollständig ab, muss durch Parabolisieren die Fehlerstelle ausgeglichen werden.
Zusammenfassung: Richtig ist es, nach dem Spiegelschleifen eine gleichzeitig dunkle Fläche beim Focaulttest zu sehen. Langsames Bewegen des »Lichtschneiders« in den Strahlengang muss im gleichen Augenblick das komplette Licht »abschneiden«. Falsch hingegen sind länger erhellte Stellen. Dieses Licht darf normalerweise das Auge nicht erreichen! Wo Abweichungen auftreten, heißt es nochmals, aber vorsichtig: Parabolisieren. Ist schließlich die Fläche gleichmäßig dunkel, war der Einsatz der letzten Wochen und Monate hundertprozentig erfolgreich.
Herzlichen Glückwunsch zum Teleskopspiegel!
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